Gestaltungsmöglichkeiten für Naturgärten

Naturgärten liegen überall im Trend. Als Hausmeister werde ich oft darauf angesprochen und gefragt, ob ich nicht bei der Errichtung eines vertikalen Gemüsebeetes oder eines begrünten Daches helfen kann. Natürlich kann ich dies, gerne, jedoch liegen oft die Erwartungen abseits der Realität. Mir scheint oft, als würden lediglich Fotos und Artikel im Internet als die letzte Weisheit betrachtet. Daher möchte ich in diesem Blogbeitrag dazu meine Meinung äußern.

Praktikable Lösungen

Auf Rügen haben wir eine sagenhafte Natur, die jährlich auch viele Urlaubsgäste anzieht. Die Bewohner unserer schönen Insel wollen zugleich ihre Häuser und Wohnungen natürlicher gestalten. Ein Baum hier, eine Hecke da und vielleicht noch einen Bienenstock für den eigenen Honig. Die Idee dahinter ist toll, nur leider hapert es oft an der Umsetzung. Anstatt jedes Mal das Rad neu zu erfinden, bin ich eher ein Freund praktikabler und bewährter Lösungen. Wenn beispielsweise das begrünte Dach spezielle Pflanzenarten beherbergen soll, diese aber keine direkte Sonne vertragen, dann ist im Nu ein Sonnensegel installiert und die Pflanzen gedeihen. Dazu brauche ich weder spezielle, sonnenverträgliche, Züchtungen noch ein kompliziertes Dach für den Schatten. Ein paar stabile Haken in die Hauswand und das Sonnensegel kann aufgespannt werden. Dies kostet nicht viel und ist in kurzer Zeit einsatzbereit. Vor allem bei begrünten Dächern auf Garagen gefällt mir diese Lösung, da sie die Statik nicht berührt und somit auch keine Baugenehmigung erforderlich macht.

Vertikale Gärten

Auch vertikale Gärten kann man nun an immer mehr Häusern sehen. Die Idee ist praktisch: Anstatt eine (in meinen Augen hässliche) Gabione mit Steinen zu füllen, kann der Platz genutzt werden, um das eigene Gemüse anzubauen. Die Idee ist toll, nur muss auch hier realistisch geplant und gebaut werden. Gemüsesorten wie Tomaten lieben die Wärme der prallen Sonne. Andere hingegen bevorzugen mehr Feuchtigkeit und das Wachstum im Schatten. Auch hier kann die einfache Lösung ein Sonnensegel sein. Damit lassen sich einzelne Bereiche gezielt beschatten und so kann auf den wenigen Quadratmetern eine Vielzahl verschiedener Gemüsesorten gepflanzt werden.

Pareto-Prinzip

Meine Idee gefiel kürzlich einer wohlhabenden Kundin so gut, dass sie mich in ein langes Gespräch darüber verwickelte. Dabei habe ich gelernt, dass mein Ansatz unter Wissenschaftlern als das „Pareto-Prinzip“ bekannt ist. Anstatt 100 % Perfektion anzustreben, gibt man sich mit 80 % zufrieden, die in nur 20 % der Zeit zu erreichen sind. Genau so ist das mit dem Sonnensegel. Keine Mauer, kein Dachgestell, sondern eine Handvoll stabiler Haken, vielleicht noch ein paar stabile Rohre als Pfosten und schon wird der Schatten gespendet. (Ganz abgesehen von den Kosten für diese einfache Lösung.)

Natur und einfache, praktikable Lösungen schließen sich nicht aus. Vielmehr ist es mit wenig Aufwand möglich, unsere Häuser und Gärten naturnah zu gestalten und zu nutzen, ohne dazu Biologie zu studieren und einen Architekten zu beauftragen. Ein Blatt Papier und ein Bleistift, laut Denken und dabei die Ideen skizzieren sind ausreichend für einen Großteil der Aufgaben.

Der Handel bietet heute eine so breite Auswahl an Farben und Motiven an, dass fertig gekaufte Lösungen auch beim zweiten Blick nicht unnatürlich aussehen. Ein Sonnensegel in den passenden Farben harmoniert einwandfrei mit dem Grün und den Blüten der Pflanzen. Wenn ich mir den Aufwand vorstelle, den ein Holzgerüst mit Rankpflanzen in Anspruch nimmt, dann gefällt mir meine Lösung gleich noch viel besser.

Fazit

An welcher Stelle wollen Sie die Natur in Ihr Haus und Hof integrieren? Machen Sie es nicht komplizierter, als notwendig. Denken Sie pragmatisch und auf einem Blatt Papier, nicht am Computer. Anstatt Zementsäcke für ein Fundament zu schleppen gibt es oft auch viel einfachere Lösungen. Nehmen Sie das oben erwähnte Sonnensegel als Beispiel. Leicht, günstig und schnell installiert. So lässt sich auch Ihr Projekt schnell und preiswert umsetzen.